WER BIN ICH? – Das Lehrer*innen Interview

In dieser Rubrik stellen wir euch immer eine Lehrkraft in Form eines Interviews vor, ohne zu sagen um wen es geht. Findet ihr es heraus?

Was für eine Schülerin waren Sie?
Ich war sehr vielseitig interessiert, neugierig und hatte einen relativ großen Freundeskreis, mit dem ich auch nach der Schule viel gemacht habe. Meine Schulzeit war für mich sehr angenehm. Der Kontakt zu meinen Schulfreunden ist aber nicht mehr groß, da ich nicht in Berlin geboren bin und wir in ganz Deutschland verstreut sind. Ansonsten würde ich mich eher nicht als Streber bezeichnen, da ich auch gerne Freizeit hatte und Hausaufgaben deswegen nicht unbedingt immer perfekt gemacht habe. Trotzdem hatte ich in der Schule nicht so große Probleme und es gab keine Fächer, bei denen ich gesagt hätte „geht gar nicht“. Musik und Kunst waren die beiden Fächer, in denen ich nicht begabt war.

Würden Sie diese Fächer als Ihre Hassfächer bezeichnen?
Nein, das nicht. Ganz im Gegenteil, ich höre wahnsinnig gerne Musik und gehe gerne in Konzerte, aber ich kann weder ein Instrument spielen noch singen oder Noten lesen. In Kunst ist es genauso. Ich gehe wahnsinnig gerne in Ausstellungen, aber malen kann ich nicht so gut.

Hatten Sie Lieblingsfächer?
Ja, die Fächer, die ich heute unterrichte, sind schon immer meine Lieblingsfächer gewesen. Im Generellen aber waren es alle Naturwissenschaften, vielleicht noch Chemie und Bio.

Sie meinten ja gerade, dass sie nicht aus Berlin kommen. Wo genau kommen Sie her? Wann sind Sie nach Berlin gekommen?
Ich bin in Thüringen geboren, nicht weit von Weimar und Eisenach. Nach Berlin bin ich erst nach meinem Studium gekommen, das ich auch in Thüringen absolviert habe. Zu meiner Zeit konnte man sich nicht direkt aussuchen, wo man hinwollte; das war stringent vorgegeben. Es war dann leider so, dass ich nicht in meinen Heimatbereich zurückgehen konnte. Und dann habe ich gesagt, wenn nicht dorthin, dann eben ganz in die große Stadt.

Was war Ihr bisher lustigstes Erlebnis mit Schüler*innen?
Das ist schon sehr viele Jahre her und war auch nicht an dieser Schule. Ich habe in einer Schule in Köpenick begonnen, ganz weit draußen in Schmöckwitz. Da fährt gerade noch so eine Straßenbahn hin. Als ich angefangen habe, war dort ein Schüler, der sich im Unterricht nicht richtig benommen hat und aufgefordert wurde, sich bei der Lehrerin zu entschuldigen. Er hat ihr dann einen zauberhaften Brief geschrieben, mit Dingen, die man als Schüler machen sollte, also beispielsweise immer ein Witzchen für die Lehrerin auf den Lippen haben, immer freundlich sein, ihr regelmäßig einen Kuchen backen und ein Blümchen mitbringen. Dann kam er mit diesem Brief, einem Körbchen mit Kuchen und Blumen in die Schule. Das fand ich schon sehr nett.

Was denken Sie über unsere Schule?
An unserer Schule finde ich die offene Kommunikation toll. Ich habe das Gefühl, dass sowohl zwischen den Schüler*innen und Lehrer*innen als auch zwischen den Eltern offen über alles gesprochen wird. Das ist eine ganz wichtiWER BIN ICH ? ge Grundlage, die es einem ermöglicht, sich wohlzufühlen, und die unsere Schule ausmacht. Ich finde es toll, dass nicht einfach alles von oben vorgegeben, sondern das Gespräch miteinander gesucht wird und dass bestimmte Entscheidungen sehr transparent getroffen werden. Das war an der Schule, an der ich vorher war, nicht der Fall. Und deswegen möchte ich hier auch nicht wieder weg.

Hätten Sie trotzdem einen Verbesserungsvorschlag?
Ich glaube, es wäre wichtig, an der einen oder anderen Stelle ein bisschen hartnäckiger zu sein, um bestimmte Dinge durchzusetzen, wie vielleicht eine Verbesserung dahingehend, dass von den Schüler*innen und der SV noch mehr Aktivitäten/Initiativen kommen könnten. Dazu müssten wir Lehrer*innen von den Schüler*innen noch ein bisschen mehr ins Boot geholt werden.

Wie sieht ein typischer Tag bei Ihnen aus?
In der Regel stehe ich recht früh auf, um es zu Hause nicht zu hektisch werden zu lassen. Dann bin ich so zwischen 7:00 und 7:30 Uhr in der Schule, je nachdem, was gerade anliegt. Meistens verlasse ich die Schule so nach 15:30 Uhr, dann gehe ich nach Hause, ruhe mich kurz aus und arbeite noch ein bisschen weiter. In der Woche gehe ich auch gerne ins Kino oder ins Theater, um nicht alle schönen Sachen nur aufs Wochenende zu verschieben. Ich habe kein Hobby, das ich regelmäßig in einem Verein betreibe, aber manchmal gehe ich spazieren oder schwimmen. Im Generellen gehe ich mehr auf kulturelle Veranstaltungen. Das geht von einem Rockkonzert, wie beispielsweise von AC/DC, bis zu einem klassischen Konzert oder von anspruchsvollen Theaterstücken bis hin zu leichten.

Gibt es einen Ort, an den Sie noch unbedingt verreisen wollen?
Nein, ich bin eher jemand, der an einen Ort häufiger fährt, weil er den Ort gefunden hat, an dem er sich wohlfühlt. Dann weiß ich, wo alles ist, und es gibt immer wieder Neues zu entdecken. Bei mir sind solche Orte zum einen die Alpen, also speziell Südtirol, und zum anderen die Nordsee. Da kann es ruhig auch richtig stürmisch sein, Wind und Regen stören mich nicht. Ich bin sehr gerne in Deutschland unterwegs und es gibt viele Ecken, die ich noch nicht bereist habe.

Wenn Sie eine Sache auf der Welt ändern könnten, was wäre das dann?
Wenn ich derzeit etwas ändern könnte, würde ich sämtliche Kreuzfahrtschiffe in einen Hafen schicken, sodass nicht mehr so viele unterwegs wären. Das ist ein Thema, das mich in letzter Zeit sehr aufwühlt, zum einen aus Umweltgründen und zum anderen, weil ich selbst schon Städte wie Barcelona erlebt habe, die durch die Menschen von den Kreuzfahrtschiffen plötzlich so überfüllt waren, dass man keinen Platz mehr finden und sich nicht mehr alles richtig anschauen konnte. Die strömen rein, verbringen einen Tag in der Stadt und strömen dann alle wieder heraus. Trotzdem denke ich, dass man sich zuerst einmal an die eigene Nase fassen sollte.

Haben Sie ein Lebensmotto oder etwas, das sie anderen noch mit auf den Weg geben wollen?
Persönlich versuche ich nicht immer alles ad hoc zu entscheiden. Die Devise lautet: Erst einmal runterkommen, in Ruhe über die Dinge nachdenken und dann Entscheidungen treffen.

– Paulina Adzic | Lelia Taschner

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